Bahnlärm im Moseltal....

Horst Heinrich
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Re: Bahnlärm im Moseltal....

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 13. Mai 2015, 13:54

TroubadixRhenus hat geschrieben:...wobei der Lohn hier oft erkauft wird mit der fast völligen Aufgabe von Privatleben.


In einem alten, mittlerweile nahezu vergessenen Gesetz aus dem Jahre 1949 heißt es:

Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

Ich weiß, das Gesetz ist mittlerweile weitgehend aus dem Bewußtsein der Menschen in Staat und Politik verschwunden und solide familiäre Strukturen braucht ja kein Mensch mehr, seit es Ritalin, Kinderkrippen, Ganztagesschulen, Sozialarbeit, Bewährungshilfe, eingetragene Lebenspartnerschaften und Familienhunde gibt, aber ich wollte es nur mal der Ordnung halber erwähnen.

In ganz Deutschland stehen mittlerweile Werte in Höhe eines dreistelligen Milliardenvermögens zur Übernahme durch die nächste Generation herum, aber die nächste Generation ist wegen unsicherer Lebens- und Arbeitsverhältnisse kaum noch in der Lage, das Erbe anzutreten, weil ihre (familiäre) Zukunft nicht annähernd planbar ist.
Aber Hauptsache die Konzernerlöse weisen jährlich zweistellige Steigerungsraten aus und die Gelder der Investoren amortisieren sich auf den Cayman-Inseln.
Vor nicht allzu langer Zeit konnte ein A 8-Lokführer in 30 Jahren an wohnortnaher Arbeitsstätte sein Häuschen abbezahlen, zwei oder drei Kindern mühelos eine gute Ausbildung und den Enkelkindern noch die Führerscheine finanzieren.
Heute muß der ledige angestellte Lokführer in der letzten Woche des Monats schon sein Spritgeld einteilen, um überhaupt noch zur Arbeit zu gelangen.
Was solche Verhältnisse mit unserer Gesellschaft tun, das zu ermessen benötigt man keine teuren soziologischen oder volkswirtschaftlichen Studien, die Talfahrt ist augenfällig in vollem Gange.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Bahnlärm im Moseltal....

Beitragvon TroubadixRhenus » Do 14. Mai 2015, 07:30

Aber das ist doch das Credo der heutigen Arbeitswelt: Mobilität und Flexibilität. Und das Ganze bitte auch ökologisch korrekt... :wink:

Wegen Bahnlärm nochmal:

Die große Demo am letzten Wochenende in Koblenz soll teilnehmermässig ein ziemlicher Reinfall gewesen sein. Ich hörte etwas von nur 500 Demonstranten, wobei man eher auf gute vierstellige Zahlen setzte. Lag vielleicht am Bahnstreik... :mrgreen:

...vielleicht aber auch daran, dass zwar einige Leute bei dem Thema sehr laut schreien, aber letztlich sind es eigentlich doch garnicht so viele, die dann wirklich den Hintern hoch bekommen.

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Re: Bahnlärm im Moseltal....

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » Do 14. Mai 2015, 10:16

Die Diskussion über die Tf-Entlohnung wollte ich derart gar nicht anstoßen. Und nicht überall leben die Kollegen 10 Tage aus dem Koffer ... am Besten noch auf der Lok ;-).

Zum Bahnlärm: Also bei allen Argumenten staune ich - siehe Diskussion Weststrecke in Trier - über die Dummheit der Berichterstattung. Die fraglichen Bahnstrecken sind zwischen 120 und 150 Jahre alt. Man kann mit Sicherheit sagen, dass niemand mehr aus der Zeit vor der Bahnstrecke lebt, also alle, die sich heute beklagen, haben entweder eine Immobilie an der Strecke gekauft, gebaut oder geerbt. Wenn ich mich an einer 2-gleisigen Bahnstrecke ansiedle, sollte ich mit Zugverkehr rechnen (die gleiche Diskussion erstaunt mich auch immer an Flughäfen, da scheint es auch erstaunlich zu sein, dass Flugzeuge landen und starten). Jedenfalls beleuchten die Medien viel zu wenig a) die Bedeutung der Bahn als Verkehrsträger, b) den "Bestandsschutz" der Strecken und c) den volkswirtschaftlichen Schaden, welche etwaige Einschränkungen der Bahn mit sich bringen würden.

Und kurz noch aus meinem privaten Umfeld: Meine Mutter hatte bislang aus Ihrem Wohnzimmer freien Blick - auch auf eine 2-gleisige Bahnstrecke. Wegen Lärmschutz schaut sie ab demnächst auf eine braune Lärmschutzwand. Traumhaft!!! Was ist wohl schlimmer?
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Re: Bahnlärm im Moseltal....

Beitragvon Horst Heinrich » Do 14. Mai 2015, 10:47

Selbst Bestandsschutz, das Argument der 150-jährigen Bahngeschichte oder die volkswirtschaftliche Bedeutung der Bahn sind ja mittlerweile disponierbar, sogar Gerichte -eigentlich zur objektiven Güterabwägung verpflichtet- machen sich den Mainstream zueigen und werden in Zukunft selbst bisher Selbstverständliches infragestellen und aufheben - siehe Trierer Weststrecke- und die Bahn wird sich immer öfter die Nutzung ihres Netzes erstreiten müssen.
Die Zeiten ändern nicht - und zwar meist zum Schlechten.
Noch zu meiner Kindheit gab es in jedem Bahnhof ein umfangreiches Personen- und Güterverkehrsgeschäft, ob es die Brennstoffe für den Winter oder die Saaten fürs Frühjahr, die morgendlichen Pendlerzüge mit dutzenden Schülern und Berufstätigen oder die Reisezüge in die nächstgrößere Stadt waren:
Man hatte jeden Tag vor Augen, wofür die Bahn gut war, sie gehörte zum Leben.

Wenn ich jetzt z.B. meine Heimat besuche, sehe ich überwiegend Züge vorbeirauschen. Nur morgens, mittags und abends werden sie gewissermaßen vor Ort gebraucht, zum Transport von Schülern und Arbeitnehmern, ansonsten rumpelt der internationale Verkehr vorbei, macht Lärm, aber man sieht für die Menschen an der Strecke keinen unmittelbaren Nutzen.
Das macht den Menschen von heute ärgerlich, er akzeptiert nur noch, was ihm unmittelbar dient.

Ich habe einen Bekannten, er war Lokführer in Cochem. Jetzt ist er pensioniert.
Der Zugverkehr regt ihn auf, vor allem der Güterverkehr, denn hier fahren ausländische Lokführer ausländische Züge von Lothringen nach Rotterdam, das möchte er sich am liebsten nicht gefallen lassen.
Als er selbst noch Stahlzüge von Völklingen mit der 44er nach Bochum gefahren hat, wären ihm solche Gedanken gar nicht gekommen.
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Re: Bahnlärm im Moseltal....

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » Do 14. Mai 2015, 10:59

Horst Heinrich hat geschrieben:Ich habe einen Bekannten, er war Lokführer in Cochem. Jetzt ist er pensioniert.
Der Zugverkehr regt ihn auf, vor allem der Güterverkehr, denn hier fahren ausländische Lokführer ausländische Züge von Lothringen nach Rotterdam, das möchte er sich am liebsten nicht gefallen lassen.

Vermutlich eigentlich ein netter Mensch, der aber leider den Sprung nicht geschafft hat. Wir leben halt 2015 und nicht mehr 1960. Übrigens werden die französischen Loks oft ab Ehrang oder Apach mit Tf von Schenker besetzt und von/nach Rotterdam gingen Züge schon zu Dampflokzeiten .... .
Bernd Andreas Heinrichsmeyer
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