Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

TroubadixRhenus
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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon TroubadixRhenus » Do 19. Mär 2015, 15:21

Na ja... die kürzere Reisezeit ist aber eher auf die neuen Schnellfahrstrecken und Tunnels zurück zu führen, und weniger eine Frage ob Kurswagen oder nicht. Oder allenfalls insofern, dass ein 403 nicht nach Bad Wörishofen geflügelt werden könnte.

Ein bisschen die Wahl hatte man ja auch damals, wo es noch Kurswagen gab. Ich persönlich bin da als Einzelreisender auch lieber öfters mal umgestiegen, anstatt mit einem langsameren FD durch Deutschland zu fahren. Das lag aber eher daran, dass ich lieber in einem scheibengebremsten Bm235er hinter der 103 gesessen habe, anstatt in einem möglicherweise klotzgebremsten Bm234.

Wer aber mit Kindern oder als älterer Mensch, oder eben mit seinem Urlaubsgepäck unterwegs ist: da denke ich schon, dass Direktverbindungen angenehmer sind, und dass man dafür auch gerne ein wenig länger unterwegs war.

Und, wie schon gesagt, scheitert der umsteigefreudige Reisende heute ja viel öfters an verpassen Anschlüssen. Da wird die Zeitersparnis schnell mal zur Farce, wenn man pro verpasstem Anschluss eine Stunde auf die Fahrzeit drauf rechnen muss.

Horst Heinrich
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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon Horst Heinrich » Do 19. Mär 2015, 15:46

Lieber Rolf, sei mir nicht böse, aber Urlaub und Schnelligkeit passen bei mir immer noch vom Prinzip her nicht zusammen, deswegen habe ich bei Deinen Schilderungen von optimierten Fahrzeiten immer auch etwas Bauchweh.
Ich mag meinen Urlaub nicht damit beginnen, daß schon die Anreise unter Zeitdruck gerät, aber es ist schon wohl eine Krankheit dieser Zeit, den Weg nicht mehr bereits als Ziel zu begreifen, wie Konfuzius vorschlägt.
Aber das ist vor allem eine philosophische Frage, dennoch rate ich zur Vorsicht:
Die Intensivstationen und Friedhöfe sind voll von Leuten, denen es nicht schnell genug ging.

Was die Umorganisierung des Fernverkehrs betrifft erkenne ich hier ganz deutlich die Tendenz zu Abbau und Angebotsverschlechterung und den Griff in die Taschen der Länder.
Irgendwann wird es Schäuble geschafft haben: Der Bund und die Bahn sind schuldenfrei und Länder und Kommunen kommen für den Rest und damit auch den Zugverkehr auf.
Wofür gibt es denn eigentlich noch die Deutsche Bahn?
Sollen wir sie nur noch als ein EVU unter vielen begreifen, das mit einer harten betriebswirtschaftlichen Kalkulation alles nicht Gewinnbringende wegstreicht oder soll nicht auch -wenigstens punktuell- eine Art Grundversorgungsauftrag übrig bleiben?

Ersteres wird uns über kurz oder lang ins 19.Jahrhundert und die Länderbahnzeit zurückwerfen, wo die Reise über Landesgrenzen hinweg zur Weltreise wurde und wir werden uns noch an etwas anderes gewöhnen müssen, nämlich an zunehmenden Angebotsrückgang, denn die meisten Bundesländer könnten sich Schienenverkehr erst recht als Fernverkehr nicht mehr leisten.
Wenn sich hier der Bund zunehmend zurückzieht, wird es künftig viele weiße Flecken auf der Eisenbahnlandkarte geben.
SOLANGE NICHT DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ EINE EINSTWEILIGE VERFÜGUNG ERWIRKT UND SIE MIR PERSÖNLICH AN DER HAUSTÜR ÜBERREICHT,BLEIBE ICH BEI DER ALTEN RECHTSCHREIBUNG.

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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon Rolf » Do 19. Mär 2015, 18:41

Horst Heinrich hat geschrieben:Lieber Rolf, sei mir nicht böse, aber Urlaub und Schnelligkeit passen bei mir immer noch vom Prinzip her nicht zusammen, deswegen habe ich bei Deinen Schilderungen von optimierten Fahrzeiten immer auch etwas Bauchweh.

Lieber Horst Heinrich, ich bin deswegen keineswegs böse. Im Prinzip hast Du ja auch Recht. Für mich ist es aber absolut stressfrei, am Freitag nach der Arbeit mit 4x Umsteigen noch bis Zermatt zu fahren. Ob der Zug 120 oder 300 km/h fährt, tangiert mich dabei ganz und gar nicht. Ich nutze die bequeme Anreise per Bahn sowieso zum Arbeiten (das Gepäck habe ich heute schon abholen lassen). Umso entspannter kann ich am Samstag meine erste Bergtour machen. Ohne die schnelle Bahnverbindung wäre das alles nicht machbar. Auf der Rückreise habe ich mehr Zeit. Und dann nehme ich auch den langsamen IC an der Rheinstrecke entlang. Es ist schön, beide Optionen zu haben.

Und um auf die Mosel zurück zu kommen: Der RE fährt von Koblenz ja über Trier, Saarbrücken und Kaiserslautern bis Mannheim. Wenn ich dann irgendwo zusteigen kann, sagen wir Saarburg, wo der Mosel-IC nicht hält bzw. früher nicht gehalten hat, dann habe ich den zusätzlichen Umstieg in Koblenz ja durch einen Umstieg weniger in Trier sogar wieder kompensiert. Zumindest an der Mosel stellt der RE im Taktverkehr gegenüber dem alten Fahrplan somit eine erhebliche Verbesserung dar. So weit ich das bisher überblicken kann, ist der neue Rheinland-Pfalz-Takt für den beschriebenen Raum eine tolle, durchdachte Sache.

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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon JK » Do 19. Mär 2015, 19:00

Was mich als Fernreisender stört ist dass man halt in einem RE während längerer Zeit sitzt mit all seinen Nachteilen, Kommen und Gehen an jeder Haltestelle sowie oft Schüler. Man fühlt sich halt wie im Nahverkehr und nicht im Fernverkehr auch wenn man weit reist. Da bietet sich dann nur noch die 1. Klasse an, die sich in dem neuen Süwex wirklich sehen lassen kann und sich nicht nur durch das 1. Klasse Piktogram am Eingang von der 2. Klasse unterscheidet.

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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon Dieselpower » Do 19. Mär 2015, 23:25

...und nicht selten kommen zu diesen angeführten Minuspunkten diese merkwürdigen Menschen hinzu, nach deren Ansicht die 1. Klasse automatisch freigegeben ist, sobald ihr Wunschsitzplatz in der 2. besetzt ist...woher haben die eigentlich diese Weisheit??? Ansonsten stimme ich Horst und JK voll zu.

Was 4x Umsteigen betrifft...mutig, und das hat für mich nichts mit streßfrei zu tun...aber jeder so wie er mag. Ich sehe das eher wie Horst: Der Weg ist das Ziel, und von daher wähle ich lieber "gemütlich mit ohne Streß". So z.B. im Juni nach Hamburg bei der Anreise zum Hafen. Da sind wir zeitlich so flexibel, daß wir uns die preiswerteste und bequemste Variante ausgewählt haben, und treffen uns in HH halt noch mit ein paar anderen Kreuzfahrern aus dem MS-Forum zum Kaffee! Und man glaube mir: Im Urlaub ist für einen Selbständigen nichts teurer als die Zeit, in der man nicht arbeiten kann...

Gepäck abholen lassen? Du weißt schon, daß da Hermes mit drin steckt...? :lol:
Das wird bei unserer Reise auch angeboten. Ich stelle mir gerade vor, die Leinen sind los, das Schiff tutet um Punkt 19 Uhr dreimal, die Auslaufhymne ertönt, das Hafenwasser wird durch die Bugstrahlruder aufgewirbelt, das GPS zeigt die ersten 0,01 Seemeilen an, und man sieht von Bord aus seine Koffer, wie sie gerade aus einem weißen Privat-PKW mit Saugnapfschildern auf die Kaimauer gewuchtet werden... :? :evil:

Wenn ich Urlaub habe, NEHME ich mir die Zeit, und - JA - ich bin schon damals gern mit den Hecken-D-Zügen gefahren, einmal sogar in über 9 h von Köln nach Nürnberg - über Siegen - Gießen - Frankfurt! Was für eine tolle Reise - und ganz ohne Streß, ohne Verspätung und ohne Schallschutzwände mit Blick auf frühsommerliche Mittelgebirgslandschaften an Sieg und Dill, in der Wetterau und im Spessart!

Und Ja, ich bin Nachtzugfreund, für mich die stilvollste Art zu reisen. Ich trauere ihnen nach...
Zuletzt hatte ich das Vergnügen vor 10 Monaten als Teil 1 der Reisekette nach Hause. Inverness - Montabaur...und das mit nur 3x Umsteigen...(das geht übrigens am WE sogar mit nur zwei Umstiegen!!!) :twisted:
Schon geil, bei einem Glas MacAllan den Abend sich über die Highlands senken zu sehen....und nach einer Mahlzeit und ein paar Bierchen in die fluffigen Federbetten seines Einbettabteils zu sinken.
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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon Rolf » Fr 20. Mär 2015, 10:08

Dieselpower hat geschrieben:...Was 4x Umsteigen betrifft...mutig, und das hat für mich nichts mit streßfrei zu tun ...

3 Umstiege davon sind ja in der Schweiz (Basel, Bern, Visp). Dort klappt das immer. Und für den Umstieg in Bonn/Siegburg nehme ich mir extra viel Zeit .... :wink:

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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon Dieselpower » Fr 20. Mär 2015, 11:10

Oh, ja dann....dann hätt ich auch wenig Bedenken. Okay, Die Umstiege sind ja wohl z.T. auch systembedingt (Spurweite...) :lol:

Auf dem Rückweg von GB planen wir uns auch immer viel Zeit ab Brüssel ein, ebenso auf dem Hinweg...

Wir hatten es schon, daß wir in Köln und Düren (!) umsteigen durften... :roll:
Natürlich in einen jeweils andersherum stehenden 403 bzw. 406... :roll:
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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon JK » Fr 20. Mär 2015, 13:10

Ja die Schweizer, die haben den Dreh raus. Ich war mal Ostern auf einer Tour durch die Schweiz. Am letzten Tag hatte ich 7x Umsteigen von Chur über den Bernina, runter zum Gotthard, zurück nach Locarno, mit der Centovalli nach Domodossola, dann durch den Simplon nach Brig, nach Bern, nach Basel alles top und dann sollte ich mit dem ICE über Mannheim nach Saarbrücken, ich kam aber nur bis Freiburg und musste dann notgedrungen in Mannheim übernachten, natürlich auf Kosten der DB....

Bei den Schweizern ist genug Spiel um Fahrplan an den Knotenpunkten und pünktliche Züge kommen bis zu 10 Minuten VOR der Zeit an....

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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon Rolf » Sa 21. Mär 2015, 01:04

JK hat geschrieben:Ja die Schweizer, die haben den Dreh raus. ... alles top ....

Ja, so ist es. Die Schweizer haben gute alte Bahntraditionen (Kundenservice und Komfort) mit der modernen Bahn (schnellere Verbindungen) sehr gut kombiniert. Die Schweiz ist ein Eisenbahn-Paradies. Dazu noch eine kleinere OT-Geschichte (wenn wir schon mal dabei sind), die bezeichnend ist: Am 30.1.2003 bin ich von Zürich nach Davos gereist. In Landquart musste ich umsteigen in die Rhätische Bahn, um den letzten Zug nach Davos zu erwischen. Der Zug hatte ca. 3 Minuten Verspätung und ich platzierte mich bei der Einfahrt in Landquart, sichtlich nervös, an der Tür, um sofort raus sprinten zu können. Der Übergang war sehr knapp bemessen. Als mich die Schaffnerin fragte, warum ich so panisch an der Tür hinge, erklärte ich ihr, meine Sorge sei es, den Anschlusszug der RhB zu verpassen. Völlig entgeistert, fast beleidigt entgegnete sie, "wir sind doch nicht die Deutsche Bahn!". Das werde ich nie vergessen. Und sie hatte Recht: Der letzte Zug der RhB wartete, bis alle umgestiegen waren. Und das Personal vergewisserte sich auch noch durch einen Anruf (Aufsicht der SBB?), dass alle Anschlussreisenden da sind. Erst dann ging es los. Darauf kann man sich in der Schweiz offenbar verlassen. In Deutschland nicht; da muss man Glück haben. Hierzulande wird man bescheiden und freut sich schon über einen guten Fahrplan, s. Rheinland-Pfalz-Takt.

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Re: Welt: Trier soll wieder ICE-Halt werden

Beitragvon TroubadixRhenus » Sa 21. Mär 2015, 12:54

Man glaubt es heute kaum noch, aber das mit dem Umsteigen hat auch in Deutschland mal geklappt! In der Zeit 1991 bis 1992 habe ich per Trampermonatsticket (und angeschlossenem "Twen-Ticket" fürs Ausland) folgende Tagestour (!) gemacht: Bonn - Mainz - Ulm - Bregenz - Bludenz - Sankt Anton im Arlberg - Innsbruck - Mittenwald - München - Augsburg - Ulm - Stuttgart - Mainz - Bonn. Die Runde beinhaltete 9mal oder sogar 10 mal Umsteigen mit teils recht knappen Anschlüssen. Wäre ein anschluss daneben gegangen, wäre ich irgendwo über Nacht gestrandet. Dreinmal habe ich die Runde gemacht und drei mal hat sie geklappt. Heute undenkbar!


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