Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

eta176
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Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon eta176 » Do 21. Mär 2019, 20:42

Bei DSO gibt es einen längeren Thread zu folgendem Sachverhalt:

Es kam [am Morgen des 19.03.2019] zu einem gefährlichen Ereignis zwischen DPN-G 24885 und DPN-G 24887.
[Laut Fahrplan: HLB 24885 Limburg ab 6:18 Uhr, Kerkerbach ab 6:25 Uhr / HLB 24887 Limburg ab 6:46 Uhr, Kerkerbach ab 6:52 Uhr]

24887 fuhr in den vom 24885 besetzten Streckenblock ein, der vor dem Bksig B der Bk Runkel stand.
24887 kam dabei rund 80 m vor 24885 zum Stehen.
Grund: Fehlhandlung Fdl.
Der Fdl und der Tf des 24887 wurden abgelöst.
https://www.drehscheibe-online.de/foren ... 02,8882253

Dabei kamen wohl noch mehrere fehlerhafte Vorgänge hinzu, denn bereits der erste Zug fuhr - auf Befehl - am Halt zeigenden
Ausfahrsignal B in Kerkerbach vorbei. Der nachfolgende HLB 24887 soll die Einfahrt in den Bahnhof Kerkerbach dann am Hp0-
zeigenden Einfahrsignal Kerkerbach (Standort vor dem Ennericher Tunnel) mit Ersatz-Signal erhalten haben.
Glücklicherweise ist kein Personenschaden entstanden, aber es ist bedenklich, dass durch Eingriffe in die eigentlich sichere Leit-
und Sicherungstechnik der mech. Stellwerke diese "überbrückt" wurden ...
Die Dokumentation und Aufarbeitung der Vorgänge führte dann auch im weiteren Verlauf des Dienstags noch zu tlw. erheblichen
Verspätungen im Zugverkehr.

Mit einer lediglich 90 Tage dauernden "Schnell-Ausbildung" zum Fahrdienstleiter scheint die DB Netz AG jedenfalls auf keinem
guten Weg zu sein, wenn die anschließenden Prüfungen nicht nach denselben Kriterien, wie nach einer mehrjährigen Ausbildung
erfolgen ... Weder "Augen zu und durch", noch "sie/er wird die notwendige Erfahrung mit den Jahren erhalten" sind für die
Sicherheit im Bahnverkehr akzeptabel. Wie seht Ihr das?


[Edit: Tag von 20.03. auf 19.03.2019 korrigiert, Vergleich Bad Aibling gelöscht. Die Behauptung, die Angaben seien unwahr, kann
ich getrost zurückweisen und ja - in der Presse wird etwas über den - schließlich von der DB selbst als "Gefährliches Ereignis" ein-
gestuften - Vorfall zu lesen sein. Gegen eine nachträglich erfolgende Sperrung habe ich keinen Einwand.]
Zuletzt geändert von eta176 am Fr 22. Mär 2019, 18:58, insgesamt 2-mal geändert.

jojo54
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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon jojo54 » Do 21. Mär 2019, 20:54

Es ist bedauerlich, dass so ein Thema im Internet mit den entsprechenden Kommentaren "breitgetreten" wird.
Vielleicht sollte man den Ball mal ein wenig "flach" halten und sich in die Situation der betroffenen Menschen versetzen.

Nachdenklich
jojo54

Maurice
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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon Maurice » Sa 23. Mär 2019, 11:15

Steht auch in der Rhein-Zeitung, gerade online gesehen bzw. über Facebook. "Beinaheunfall: Kollision auf Lahntalbahn knapp vermieden" lautet der Titel.

Maurice

bigboy4015
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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon bigboy4015 » So 24. Mär 2019, 11:35

Bei allem was ich gelesen habe stelle ich mir ein paar Fragen den ersten Zug (der LINT) betreffend.
- Wenn ein Triebfahrzeugführer fast 30 Minuten vor einem Hp0 Signal steht, was auch für ihn sicher ungewöhnlich ist, warum nimmt er nicht Kontakt auf via Funk oder Diensthandy oder im Zweifel Privathandy. Im Hinterkopf hab ich das man nach spätestens 5 Minuten zum Hörer greifen soll. Und nicht 30 Minuten nix tun.
- Wenn ein Fdl nicht sicher ist wo ein Zug ist, da der Block noch immer belegt ist, obwohl der Zug längst raus sein müsste, warum nutzt dieser nicht Funk oder Telefon zum Triebfahrzeugführer.
- In der Blockstelle Runkel hätte man den Triebwagen bei der Vorbeifahrt sehen müssen, also auch dort fragen können.
- Und in der nächsten Blockstelle (Arfurt ?) hätte es eine Zugmeldung geben müssen.
- Erst wenn da alles nicht geht, kann dem folgenden Zug / Triebwagen ein Befehl mit "Fahren auf Sicht" mit dem Hinweis auf unklare Gleislage gegeben werden. Oder ein Zug in Gegenrichtung bekommt einen solchen Befehl.

So wie ich es lese gab es nur den Befehl, der bedeutet das der folgende GTW mit aller Vorsicht in den Block einfuhr, mit entsprechender Geschwindigkeit die der Situation und dem zum Zeitpukt miesen, nebligen Wetter entsprach (müssten 10km/h sein) und so sicher hinter dem LINT zum stehen kam.

PS: Warum der Triebfahrzeugführer des GTW abgelöst wurde erschliesst sich mir nicht, er fuhr so in den Block das er auf alles gefasst war um dann, sicher erleichtert, festzustellen das der LINT einfach nur vorm Signal stand.
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eta176
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Stellungnahme der DB

Beitragvon eta176 » So 24. Mär 2019, 15:45

Die Anfrage zu dem Vorfall wurde von der DB-Pressestelle in Frankfurt beantwortet. Da diese Antwort aber erst kurz vor dem
Redaktionsschluss bei mir eintraf, habe ich sie nachträglich den Redaktionen übermittelt. Aus dem Gesamttext wurde von den,
die Meldung bearbeitenden Redakteuren nur jeweils ein Satz zitiert. Deshalb stelle ich nachfolgend die komplette Antwort ein:

"Der genaue Hergang des von Ihnen geschilderten Vorfalls wird derzeit noch untersucht. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir
uns zu Details nicht äußern und auch nicht spekulieren.
Sicherheit steht für die DB an oberster Stelle, daher werden Technik und Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt. Allein in
diesem Jahr fließen 10,7 Milliarden Euro in die Modernisierung und Instandhaltung der Eisenbahninfrastruktur. Neben der
technischen Modernisierung erhöht die Bahn fortlaufend die Handlungssicherheit der Mitarbeiter. Dafür ist ein Maßnahmen-
paket in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde
entwickelt worden, das unter anderem Simulatortrainings für Fahrdienst-
leiter
sowie zusätzliche Kontrollen und Anpassungen bei der Aus- und Weiterbildung umfasst.
Bundesweit sorgen rund 13.000 Fahrdienstleiter für einen zuverlässigen Eisenbahnbetrieb und sind entsprechend ausgebildet
und qualifiziert."

Die von mir hervorgehobenen Passagen zur Erhöhung der "Handlungssicherheit", dem "Maßnahmenpaket in Abstimmung mit der
Aufsichtsbehörde" und "zusätzliche Kontrollen und Anpassungen bei Aus-und Weiterbildung" sind zumindest ein Indiz dafür, dass
Mängel erkannt wurden und es einen Ausbildungsbedarf gibt ...

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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon bigboy4015 » So 24. Mär 2019, 20:35

Notfallmanager hat geschrieben:...Es hat kein gefährliches Ereignis gegeben und damit bestand auch zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Reisenden...

Genau das war mein erster Gedanke, ich finde das gefährliche Ereignis nicht, welche Kollision wurde vermieden?
Die Reaktion des Fdl in Kerkerbach bedeutete eine in sich sichere Maßnahme.
Der GTW fuhr mit Befehl bewusst langsam in und durch den Block und "entdeckte" am Ende den LINT am Runkler Einfahrsignal.
Ulrich Wolf
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jojo54
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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon jojo54 » Mo 25. Mär 2019, 15:07

Auch in der Nassauischen-Neuen-Presse (Limburg) wird über das "Ereignis" jetzt berichtet. Autor: hpg

Ist das wirklich sinnvoll ????

jojo54

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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon HeinzM » Mo 25. Mär 2019, 15:35

Warum soll das denn geheim bleiben? Ich möchte mich bem Bahnfahren sicher fühlen und nicht durch falsche Entscheidungen eines Fahrdienstleiters bedroht werden. Ob ein Streckenblock frei oder belegt ist konnte man schon vor ca. 100 Jahren ohne Versuchsfahrten klären.
Freundliche Grüße
Heinz

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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon Dieselpower » Mo 25. Mär 2019, 19:08

Sagt mal...liest hier manch einer nur das, was er lesen will?

Es hat kein gefährliches Ereignis stattgefunden, ist doch nun mehrfach von kompetenter Stelle gesagt worden!

Kein Wunder, daß die Eisenbahnfreunde heute unter den Kollegen einen solchen Ruf haben!

*Kopfschüttel"*



Notfallmanager hat geschrieben:Es hat kein gefährliches Ereignis gegeben und damit bestand auch zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Reisenden. Alles andere entspringt der Phantasie der vielen Modell- und Hobbyeisenbahner hier und hat DSO-Niveau.
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
Albert Einstein
"Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich...!"
Konrad Adenauer

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EUB definiert auch Störung als "Gefährliches Ereignis"

Beitragvon eta176 » Mo 25. Mär 2019, 23:33

Die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) hat festgelegt, was als "Gefährliches Ereignis" gilt und
als Sofort- oder Tagesmeldung von den "Eisenbahninfrastrukturen der Eisenbahnen des Bundes (EdB) und für
nichtbundeseigene Eisenbahninfrastrukturen, die der Eisenbahnaufsicht des Bundes gemäß § 5 Abs. 1e, Nr. 4
Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) unterliegen" gemeldet werden muss.
https://www.eisenbahn-unfalluntersuchun ... nhalt.html

Gefährliches Ereignis im Eisenbahnbetrieb
Unter einem gefährlichen Ereignis sind Unfälle und Störungen im Eisenbahnbetrieb zu verstehen.

Störung
Eine Störung ist ein anderes Ereignis als ein Unfall oder schwerer Unfall, das mit dem Betrieb eines Zuges zusammenhängt
und den sicheren Betrieb beeinträchtigt. Zu den Störungen in Eisenbahnbetrieb zählen
- die unzulässige Vorbeifahrt eines Zuges am Haltbegriff,
- die unzulässige Einfahrt in einen besetzten Gleisabschnitt sowie
- die Eisenbahnsicherheit beeinträchtigende Störungen am Bahnübergang, am Fahrzeug, an der Infrastruktur oder durch betriebliche Handlungen.
_________________________________________________________________________

Dazu hat die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (EUB) die
Allgemeinverfügung zum Melden von gefährlichen Ereignissen im Eisenbahnbetrieb
zum 01.01.2010 in Kraft gesetzt.

2.2.2
Einfahrt in besetzten Gleisabschnitt

Eine Einfahrt in einen besetzten Gleisabschnitt ist das Einfahren eines Zuges in einen Gleisabschnitt,
der bereits mit anderen Fahrzeugen besetzt ist, wenn die Zustimmung durch den Verantwortlichen
unzulässigerweise erteilt wurde
.

Die Allgemeinverfügung steht als Download unter folgendem Link zur Verfügung:
https://www.eisenbahn-unfalluntersuchun ... _node.html

Sollte das alles "Nonsens" sein, bitte ich um Erläuterung, weshalb die Betriebshandlungen am 19.03.2019 nicht als
"Gefährliches Ereignis" einzustufen und zu melden waren
. -- Unabhängig davon heißt es in der Allgemeinverfügung:
"Diese Verfügung entbindet Eisenbahnen nicht von ihrer Verpflichtung, alle gefährlichen Ereignisse zu untersuchen,
auszuwerten und die notwendigen Vorbeugungs- und Korrekturmaßnahmen zu ergreifen."

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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon bigboy4015 » Di 26. Mär 2019, 10:38

Störung...- die unzulässige Einfahrt in einen besetzten Gleisabschnitt

und
Einfahrt in besetzten Gleisabschnitt...wenn die Zustimmung durch den Verantwortlichen unzulässigerweise erteilt wurde.


Das ist doch Spekulation, hier ist das Ergebnis der Untersuchung abwarten.
Die Untersuchung hat zu klären ob der Befehl des Kerkerbacher Fdl zur Fahrt auf Sicht und die daraufhin durchgeführte Fahrt unzulässig war.
Erst wenn diese Fragen bei der Untersuchung mit ja beantwortet werden wäre es zutreffend das diese Störung als gefährliches Ereignis zu bewerten ist.

Wäre der GTW nur mit Befehl 2 über das Signal gefahren, und hätte eine Kollision so nur mittels einer Notbremsung verhindert werden können, wäre die Lage anders.

Nach allem was bekannt ist, hat der Fdl Kerkerbach dem Triebfahrzeugführer des GTW den Befehl 12 "Fahren auf Sicht" gegeben (und eventuell den Befehl erweitert hat um die Mitteilung der Feststellung ob das Gleis befahrbar ist und das Ergebnis zu melden ist).
Das würde bedeuten der Fdl in Kerkerbach war der (richtigen) Annahme, der LINT befindet sich, warum auch immer, noch im Block, und der folgende GTW bekam den Auftrag zur Prüfung der Befahrbarkeit des Gleises. Und stellt fest: Der LINT steht am Ende des Blockabschnitts, am Esig von Runkel.
Das als Unzulässig zu bezeichnen ist (ja meine eigene Meinung) ziemlich ganz dünnes Eis.

Es ist, viel wichtiger finde ich, primär zu klären warum der erste Triebwagen, der LINT, am Runkler Esig stehen gelassen, also vom Block Runkel schlicht "vergessen" oder nicht angenommen, wurde. :?:
Und der Triebfahrzeugführer des LINT dann seelenruhig fast 30 Minuten gewartet hat. :?:

Die im Ursprungsbeitrag, auch bei DSO, genannten Fahrten des LINT auf Befehl in Richtung aus Kerkerbach nach Runkel (die Sperren des Blocks haben dabei - siehe die späteren Geschehnisse - doch wohl funktioniert) und die Einfahrt des GTW über Ersatzsignal aus Eschhofen nach Kerkerbach sind für sich zu untersuchen und zu bewerten. In wie weit diese mit dem "gestrandeten" LINT zusammengehören ist sicher Bestandteil der Untersuchung.
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Re: Gefährliches Ereignis: Zwei Züge

Beitragvon töff-töff » Di 26. Mär 2019, 13:32

So, jetzt hab ich die Schnauze entgültig voll und mache hier zu. :oops: :oops:

Mal zur Ansage, wenn es hier im Forum weiter zu persönliche Beleidigungen andere Teilnehmer kommt müssen die Schreiber mit den Konsequenzen leben.

Beleidigungen werden hier nicht geduldet. Wenn er mit einem User nicht klar kommt, macht das bitte untereinander aus.
Grüße aus Bendorf

Martin


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