Bingen Stadtbahnhof/ Frühling an der Strecke

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Lw
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Bingen Stadtbahnhof/ Frühling an der Strecke

Beitrag von Lw »

Die wunderbare Dokumentation von Günter T (mit Ergänzungen von Thomas Reitzel und anderen Foristen) zur Rheinhessenbahn
schaue ich mir immer wieder gerne an:
http://www.forum.hunsrueckquerbahn.de/v ... 31&t=55211
Erst seit Anfang der 90er Jahre kenne ich die Region, könnte sie aber nicht so prachtvoll dokumentieren.
Der heutige Betrieb ist leider sehr eintönig, dennoch findet man immer noch interessante Motive. In den letzten Wochen habe ich mich daher etwas am Binger Stadtbahnhof versucht und vor drei Wochen eine kleine Frühlingsradtour entlang der Strecke unternommen, wenn auch nur von Wallertheim nach Bingen. Nachfolgend einige Eindrücke.

Bild 1
Beginnen wir mit einem Überblick aus luftiger Höhe, nämlich von der „ebsch Seit“ unterhalb der „Germania“. Eigentlich sollte am 2. Juni 2016 die "Goethe" aufs Foto, der Bahnhof Bingen-Stadt mit seiner Umgebung war nur Beifang. Unübersehbar ist die massive Mauer, die als Schallschutz für die „Gartenstadt“ und die Parkanlagen auf dem Gelände der früheren GA und des Industriehafens dient. Hinter der Mauer steht die RB nach Worms, rechts davon in Dunkelrot ist das EG erkennbar. Oberhalb des Bahnhofs die Ev. Johanneskirche:

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Bild 2
Nochmal ein Blick von oben, diesmal von der Elisenhöhe oberhalb des Bahnhofs Bingerbrück. Im Morgenlicht des 25. April 2021 hebt sich die Gleisführung recht deutlich ab. Erkennbar ist links neben der heutigen Gleisstruktur die Mauer und dann zum Fluß hin das Gelände des früheren Industriehafens. Geblieben sind nach den massiven Abbaumaßnahmen in den Nullerjahren nur die drei Durchfahrt-/Bahnsteiggleise (Gleise 1 bis 3) sowie Gleis 44 als Stumpfgleis, in dem die Regionalbahnen nach/ von Worms starten bzw. enden:

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Bild 3 und 4
Immerhin begleitet die "Binger Mauer"auf der Flußseite ein schöner Fuß- und Radweg, der an drei Stellen einen Blick über die Mauer erlaubt. An diesen Stellen sollten nach der Ursprungsplanung Fußgängerbrücken über den Bahnhof gebaut werden, um die "Gartenstadt" an die Stadtmitte anzubinden, eine der Brücken sollte auch Aufzüge zu den Bahnsteigen erhalten. Aus Kostengründen ist diese Planung aufgegeben worden... Immerhin soll nun 2023 der Mittelbahnsteig einen Aufzug erhalten.
Aufnahme am Morgen des 24.03.2021 mit RB 13833 nach Worms (Abfahrt um 8:02 h):

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Bild 5
Ein Blick von Bahnsteig 1 (Hausbahnsteig) auf Gleis 44, auf dem soeben die RB aus Worms einrollt. Nachdem vor einigen Jahren im Zuge einer Sanierung das durchgehende Bahnsteigdach entfernt wurde und zusätzlich am Kopfende ein Parkplatz angelegt wurde, liegt dieses Gleis selbst für Einheimische recht versteckt. Die Ausschilderung könnte besser sein. Der Parkplatz wird nach meinen Beobachtungen nicht von Pendlern benutzt, sondern von Angestellten umliegender Geschäfte und Arztpraxen. Pendler parken am Hauptbahnhof. Aufnahme am Morgen des 06. April 2021:

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Bild 6
Nochmal ein Blick von der Stadtseite:

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Andreas T. hat aus dem gleichen Blickwinkel fotografiert, die damalige Szenerie gefällt mir wesentlich besser (etwa Foto 6):
https://www.drehscheibe-online.de/foren ... 17,9618357


Jetzt ein kleiner Ausflug ins Hinterland.
Am 11. April, einem Sonntag, fuhr ich mit der RB bis Wallertheim. Da von Westen her Regen angesagt war, setzte ich auf Rückenwind und hoffte, rechtzeitig wieder zuhause zu sein. Es klappte gerade so…


Bild 7 und 8
Mein Zug hatte in Armsheim Kreuzung mit der RB 13834, so dass ich recht schnell zum Ortsausgang von Wallertheim geradelt bin. Aus Richtung Armsheim kommt die RB, hier in Höhe Schimsheim:

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Der Nachschuß auf Wallertheim: gleich hinter dem BÜ gab es links einen Anschluss zur Mälzerei, dann folgte rechts der Anschluss zur GA mit Ladegleis. Einen Wagen für die Mälzerei haben Andreas und Günter T. hier dokumentiert (Foto 19):
http://forum.hunsrueckquerbahn.de/viewt ... 31&t=55191


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Bild 9 und 10
Zwischen Gau-Bickelheim und Sprendlingen kam die RB 13839 entgegen. Im Hintergrund das dreitürmige Sprendlingen:

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Schwach zu erkennen ist der denkmalgeschützte Wasserturm, den Günter T. hier in Bild 4 dokumentiert hat:
http://forum.hunsrueckquerbahn.de/viewt ... 31&t=55226

Der Nachschuss war wirklich Zufall:

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Bild 11 und 12
Die nächste Begegnung fand zwischen Zotzenheim (im Hintergrund) und dem Hp Welgesheim-Zotzenheim statt: RB 13836 auf dem Weg von Worms nach Bingen-Stadt.
Leider gibt es keinen Hp unmittelbar in Ortsnähe zu Zotzenheim, wo in den letzten Jahren viel gebaut wurde. Bild 11 zeigt den Hp Welgesheim-Zotzenheim, der einst eine einseitig angeschlossene Laderampe besaß:

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Bild 13
Die Rückleistung 13841 traf ich dann an der Einfahrt zu Gensingen-Horrweiler von Bingen her. Die altertümliche Lampe beleuchtet den Beginn der Weichenstraße:

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Bild 14 bis 16
Noch einen Blick wollte ich riskieren auf den RE 29513 von Saarbrücken nach Frankfurt, obwohl die Wolken immer düsterer wurden. Wenige Minuten vorher radelte ich über die wunderschöne Feldwegbrücke, auf der mir ein Pferdegespann mit Kutsche begegnete. Nur fünf Minuten später hätte es dieses Motiv gekrönt:

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Kurze Drehung nach links: Der RE überquert die Überführung der Strecke Worms-Bingen, die Thomas Reitzel im o. g. Beitrag sehr schön dokumentiert hat:

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Günter T
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Re: Bingen Stadtbahnhof/ Frühling an der Strecke

Beitrag von Günter T »

Hallo Alois,

vielen Dank für diesen prächtigen Bericht, der mich sehr beeindruckt hat - an der Mehrzahl der Orte war ich schon Jahrzehnte nicht mehr. :(

Nicht sattsehen konnte ich mich vor allem an Deinen Bilder aus Bingen. Dein morgendliches Foto von der Elisenhöhe ist einfach genial! Präziser kann man einen Gleisverlauf nicht dokumentieren.

Die meisten Veränderungen in Bingen haben wir beide ja schon ausgiebig kritisiert bzw. bedauert - ich will dies nicht einfach wiederholen. Eine Lärmschutzwand am Bahnhof Bingen Stadt, die den Blick zum Rhein verhindert, ließ sich wohl nicht vermeiden, wenn man dahinter eine Wohnsiedlung errichtet. Aber muss sie denn so aussehen?

Ich will mich heute darauf beschränken, aufzuzeigen, dass es vor gar nicht langer Zeit mal anders dort aussah. Nämlich beim Projekt Landesgartenschau 2008.


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Bild 1:
Am Foto vom 20. April 2006 sieht man, dass im Gewerbe- und Industriebereich westlich des Hafens "tabula rasa" gemacht wurde, um die Landesgartenschau vorzubereiten. Wehmütig betrachtet man den Gleisrest im Vordergrund, der von anderen Zeiten kundet.



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Bild 2:
Hier standen mal die großen weißen Tanks. Jetzt funktioniert bezeichnenderweise nur noch ein Mobilklo.



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Bild 3:
Die Gleisschwellen sind rausgerissen, und es sieht aus wie nach einem Bombenangriff.



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Bild 4:
Zwei Jahre später - am 13. Juli 2008 - eine Idylle zu Zeiten der Landesgartenschau. Ohne Schallschutzwände ist der Blick vom Rheinufer frei auf das rote Empfangsgebäude des Binger Stadtbahnhofes und das Reiterstellwerk.



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Bild 5:
Auch das Reiterstellwerk konnte noch "atmen" und war nicht "eingemauert". Wie gesagt: Die Siedlung am Rheinufer musste ja angeblich sein; ein attraktiver Park für alle Bürger und Besucher der Stadt Bingen kam aus kommerziellen Gründen überhaupt nicht in Betracht. Hoffentlich hat sich da nicht eine Gruppe unverdientermaßen eine richtig goldene Nase verdient.

Es grüßt
- ein ausnahmsweise mal nicht auf die Bahn verärgerter -
Günter
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Zuglaufschild vom Sommer 1998 (Regelmäßige Wochenendfahrten mit der 01 1531-1
hochwald
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Re: Bingen Stadtbahnhof/ Frühling an der Strecke

Beitrag von hochwald »

Also wie man in einem dermaßen hochwassergefährdeten Bereich ein neues Wohnbaugebiet hinstellen will/hingestellt hat erschließt sich mir nicht. Da gehören allenfalls "hochwassersichere" Parkanlagen (ÖK temporär die Landesgartenschau) und Gewässerrenaturierung hin. Solange die Allgemeinheit (Katastrophenfonds) für diesen Unsinn zahlt ist es ja gut ... :evil: Ja Bingen mit all seinen Bahnhöfen war äußerst faszinierend, dazu immer das Fernweh der Rheinschiene, so oft in meinem Leben vorbeigekomen, vielleicht sollte man doch mal dort aussteigen, die Umgebung ist am Rhein einfach sehr schön!
Lw
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Re: Bingen Stadtbahnhof/ Frühling an der Strecke

Beitrag von Lw »

Danke für Eure Rückmeldungen, die Bilder wie die kritischen Sätze, die ich voll teile.
Einige aktuelle Bilder folgen in den nächsten Tagen, aber folgendes Zitat möchte ich Euch nicht vorenthalten:

"Bingen - Hotspot der Bautätigkeit:
Misst man es allein an den Baukränen, die in den letzten Jahren in Bingen gestanden haben und noch stehen, so kann man getrost sagen, es hat sich einiges gedreht. Nimmt man noch die Straßenbaustellen hinzu, so bewegt sich das Investitonsvolumen der letzten zehn Jahre im dreistelligen Millionen-Bereich für unser Stadtgebiet", so die 'Baustellenbilanz' des OB in einer Broschüre der Stadt. Und weiter: "In einer beeindruckenden Größe ist im Gewerbepark Bingen/ Grolsheim ein neues Autohaus entstanden, welches gleich sechs Automarken anbietet.... So konnte auch jüngst im Gewerbepark Bingen-Ost das letzte Gewerbegrundstück... veräußert werden".

Bleibt hinzuzufügen, dass beide Gewerbeparke unmittelbar an der Bahn liegen, aber 'natürlich' ohne Anschluss:
- Bingen/ Grolsheim direkt an der Strecke Gau-Algesheim - Gensingen-Horrweiler
- Bingen-Ost wird sogar durchschnitten von der Strecke Bingen-Stadt - Worms, wobei es hier sogar einen 2gleisigen GV-Anschluss gibt, der aber offenbar nie in Betrieb genommen wurde.
Lw
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Re: Bingen Stadtbahnhof/ Frühling an der Strecke

Beitrag von Lw »

Aktuelle Eindrücke (5. und 6. Mai 2021):

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Bild 1:
"Maritim wohnen in 1. Lage" - Unfreiwillige Komik?


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Bild 2:
Die Plattform des als Denkmal erhalten gebliebenen Ladekrans bietet interessante Rundblicke.
Im Hintergrund noch zu erkennen sind EG und Stellwerk am Stadtbahnhof, allerdings wird diese Perspektive in absehbarer Zeit verbaut sein.
Die idyllischen Gärten sind schon abgeräumt (vg. Bild 4 von Günter T).


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Bild 3:
Links der Wall zur Bahn, die heutige Hafenstraße, das neu erbaute Hotel "Papa Rhein" sowie die Anlegestelle der Fähre nach Rüdesheim.


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Bild 4:
Uferpromenade mit Kran


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Bild 5:
Unter dem Kran die letzten erhaltenen Meter Gleis.


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Bild 6:
Im Gegenlicht wird die Breite der Schallschutzmauer deutlich. RE 2 aus Koblenz Koblenz auf dem Weg nach Frankfurt/M.


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Bild 7:
Am Ende der Mauer ist ein Blick auf das ehem. Stellwerk am Stadtbahnhof möglich.
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