Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

TroubadixRhenus
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon TroubadixRhenus » Mo 14. Sep 2015, 11:34

...und gehen wir mal davon aus: Es ist nur einer gefahren, und der hat prinzipiell 4 Unschuldige "mitgenommen".

Und: Natürlich gibt es "Risikogruppen" oder wie man es auch (oft mit Recht) nennen kann: "unsere Pappenheimer".

Letzte Nacht habe ich dafür leider wieder einen anderen Fall erleben müssen den ich frisch und etwas rücksichtslos nachvollziehbar mit GPS-untermauerten Daten schildern möchte:

Datum: 13.09.2015
Uhrzeit: 23:18 Uhr
Ort: Lichtzeichengesicherte Bü-Anlage "Holtorfer Strasse" in Bonn Pützchen, Ecke "Am Ennertbad" - "Holtorfer Strasse"

Ich fahre auf meiner letzten Runde mit unserem Pützchens-Markt-Verkehr mit meinem VT in Richtung Bonn-Beuel auf den BÜ zu. Signal BÜ 1 blinkt mir fröhlich entgegen und sogar die roten Lichtzeichen für den Strassenverkehr sind in der Dunkelheit vom Zug aus gut zu sehen. Etwa 50 Meter vor meinem VT quert dann gemütlich trotz halt zeigender Lichtzeichenanlage des BÜ's ein Motorradpolizist (ohne sichbare Sonder-/Wegerechte - obwohl sogar das bei BÜ-Anlagen wenig sagen würde) den BÜ aus nördlicher Richtung von der Holtorfer Strasse aus kommend und hält noch im BÜ-Bereich neben einem 2. Motorradkollegen. Von "Eile" oder Verdeckter Ermittlung" oder "leiser Anfahrt zum Einsatzort" konnte augenscheinlich keine Rede sein.

Es bestand zwar zumindest keine unmittelbare Gefahr (der Zug fährt dort 20km/h - laut meinen GPS-Daten hatte ich in der Einschaltstrecke zwischen 15 und 18 km/h drauf) und ich denke auch mal, dass der Polizist die Lage abschätzen konnte. Aber solche Aktionen haben leider eine verheerende Vorbildwirkung: "Wenn schon die Polizei so fährt..." Und "solche Aktionen" schreib ich im Plural, weil ich sie in den letzten Jahren bereits drei mal mit Polizeifahrzeugen so erlebt habe. Und ich bin da nicht der Einzige Tf.

Ich rege mich da, im Gegensatz zu früher, eigentlich nur noch drüber auf, wenn Gefahr für das eigene Leben bestand (und wenns dann noch "weiche Ziele" sind... :lol: ). Daher auch nichts in Richtig Anzeige oder so. Aber vielleicht erkennt sich ja jemand anhand der o.g. Daten wieder (oder kennt einen der einen kennt)... :wink:
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 14. Sep 2015, 16:19

Nach angestrengtem Nachdenken -ist schon etwas her, daß ich auf der Nahestrecke unterwegs war- bin ich mir sicher, daß es sich bei dem BÜ um eine Hp-Anlage handelt, also einen signalabhängigen BÜ, aus Richtung Sobernheim steht Signal 11 und aus Richtung Kirn Signal 12, soweit ich weiß, Standort: 600 Meter vor dem BÜ. Ich weiß nur nicht, ob der Fdl in Sobernheim oder der in Kirn den Abschnitt auf dem Tisch hat: Bis zum ordnungsgemäßen Schließen der Schranken kann die Fahrstraße also nicht gestellt werden, es wird hier dauerhaft Hp0 gezeigt.
Der Zug hätte also bei einer gestörten Anlage nicht mit 130 km/h über den BÜ fahren können.

Das ganze ändert aber doch nichts an der Tragik des Geschehens, der Schock sitzt tief, sogar bis zu mir in den Hunsrück hinauf, viele Menschen -auch aus dem Raum Rhaunen-Kellenbachtal- nutzen regelmäßig die Nahestrecke und so ist der Unfall auch hier Gesprächsthema Nummer eins.

Hier noch zwei weitergehende Berichte aus der Lokalzeitung , auch hier wird noch einmal die Funktionsfähigkeit der Schranke thematisiert.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 141020.htm

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 135648.htm
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Bernd Heinrichsmeyer » Mo 14. Sep 2015, 19:51

Es gibt Bauformen von BÜ Anlagen, die die Schließung der Schranken nicht überwacht. Eine solche wurde z.B. 2004 bei Otzenhausen neu eingebaut. Sie überwachen das Lichtsignal für die Straße, also das Rotlicht. Dann geben sie die Überwachung frei. Was aber vor Ort verbaut ist, weiß ich nicht. Ansonsten bestätigt Horst meine Annahme, dass es signaltechnisch gar nicht geht, wenn der BÜ nicht gesichert ist.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Markus Göttert » Mi 16. Sep 2015, 19:08

Anlage ist eine HP-Anlage (durch Hauptsignale gesichert) und einer störunanfälligsten die ich kenne.
Hat diese Anlage eine Störung oder Unregelmäßigkeit wird diese sofort dem FDL angezeigt.
Bei Störung gehen die Blocksignale 11/12 sofort in Halt bzw kommen erst garnicht in Fahrt.
Es wurden an diesem Morgen auch keine Hilfsbedienhandlungen gemacht. Die Anlage speichert dies auch ab.

Die BR611/612 durften/dürfen in diesem Abschnitt 160km/h fahren.
Andere Fahrzeuge ohne Neigetechnik 120km/h.

Ich möchte Euch bitten das Thema bis zur Klärung des ganzen Unfalls ruhen zu lassen.

Es wird soviel Müll geschrieben und berichtet, da sollten wir uns nicht dran beteiligen.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Pablo » Mi 16. Sep 2015, 19:58

Danke Markus!
Markus Göttert hat geschrieben:Die BR611/612 durften/dürfen in diesem Abschnitt 160km/h fahren.
Andere Fahrzeuge ohne Neigetechnik 120km/h.

Kleine Berichtigung:
Auch ohne Neigetechnik sind 160km/h erlaubt, wenn es das Fahrzeug hergibt.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon eddi2 » Fr 18. Sep 2015, 09:18

Das Ergebnis der Unfall-Untersuchung liegt nun vor:

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 162220.htm

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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Fr 18. Sep 2015, 09:30

eddi2 hat geschrieben:Das Ergebnis der Unfall-Untersuchung liegt nun vor:

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 162220.htm


Aus dem Bericht:
Zum Obduktionsergebnis des Fahrers werde die Ermittlungsbehörde nach Auskunft des leitenden Staatsanwaltes Wolfram Papenbreer keine Auskünfte erteilen.

Wer weiß, wie die Kreuznacher Staatsanwaltschaft "tickt" weiß auch, daß mit dieser Bemerkung eigentlich alles gesagt ist hinsichtlich Fahrtüchtigkeit des Unfallfahrers...

Für mich gehört das ganze zu den ganz großen Tragödien der Region, es wird die unmittelbar beteiligten Familien den Rest ihres Lebens beschäftigen und sicherlich auch noch viele andere lange belasten, mich eingeschlossen.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon jojo54 » Fr 18. Sep 2015, 17:43

Auch das SWR-3-Fernsehen RLP hat vom Ergebnis der Untersuchungen berichtet.

MfG
jojo54

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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 19. Sep 2015, 19:57

Ich denke, man sollte dem Tod am Bahngleis gerade in einem Eisenbahnforum auch mal ein Gesicht geben.
Die Welt der modernen Medien, derer wir uns alle bedienen, gibt einem die Möglichkeit dazu.

http://trauer.rhein-zeitung.de/Traueran ... s-Gillmann

Heute war die Beisetzung.
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon TroubadixRhenus » So 20. Sep 2015, 03:05

Ich bin da genau Deiner Meinung! Vielleicht lehrt es UNS, künftig sehr vorsichtig mit Schuldzuweisungen umzugehen. Vielleicht lässt es auch den einen oder anderen "Jungspund" nachdenklich werden, nämlich darüber, dass das Leben unendlich wertvoll ist und man es niemal leichtfertig aufs Spiel setzten darf - selbst wenn es "uncool" ist als Beifahrer einem allzu -

Nicht vergessen sollten wir aber unbedingt auch den Lokführerkollegen, der diesen Tag wohl nie mehr vergessen wird! Ich hoffe sehr, dass er seinen Beruf weiterhin, vielleicht nach einer angemessenen Auszeit" mit Freude ausüben kann!


Thomas
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Dieselpower » So 20. Sep 2015, 05:56

Und dennoch hinterläßt so etwas bei vielen immer noch keinen ausreichend nachhaltigen Eindruck - ein Moped, ein PKW und mehrere Fußgänger. Das wäre meine "Beuteliste" der vergangenen Woche gewesen, wenn es wieder die berühmte Sekunde früher gewesen wäre...! Ungebremst und ohne auf den Zugverkehr zu achten - in allen Fällen!

Warum eigentlich? Queren diese Spinner genauso gleichgültig eine vorfahrtsberechtigte Schnellstraße???
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Re: Schwerer BÜ-Unfall in Monzingen

Beitragvon Horst Heinrich » Di 22. Sep 2015, 15:53

Aus Anlaß des Unfalles widmet sich "Zur Sache...Rheinland-Pfalz" am Donnerstag, 24.09.2015 um 20.15 im SWR 3-Fernsehen der Thematik Halbschranken/Vollschranken.
http://www.swr.de/zur-sache-rheinland-p ... index.html
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